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Die Sicht meiner Tierischen Patienten


Ich stehe da – verlassen und allein.

Alles um mich herum ist dunkel.
Von irgendwoher kommen Stimmen, doch sie sind nicht beruhigend.
Sie sind laut. Hektisch. Unruhig.

Ich möchte hier einfach nur weg.

Warum bin ich hier?
Wer hat mir das angetan?

Ich will rennen – doch mein Körper gehorcht mir nicht.
Ich bin wie eingefroren.

Traurigkeit liegt schwer auf mir.
Und ich weiß nur eines:
Ich kann nicht mehr.

Dann öffne ich meine Augen.
Nicht nur meine Augen – mich selbst.

So lange habe ich mich abgespalten, kaum wahrgenommen, was um mich herum geschieht.
Aus Schutz.

Doch etwas ist anders.
Ich bin an einem anderen Ort.

Auch hier gibt es Stimmen – aber sie klingen anders.
Sanfter.
Näher.

Sie reden mit mir, als wollten sie mir helfen.


Das kann nicht sein.
Habe ich mich verhört?

Ich weiche zurück – und sie gehen ebenfalls zurück.

Versteht ihr das?


Sie drängen nicht.
Sie bleiben.


Mein Misstrauen ist groß.
Zu groß.

Erinnerungen holen mich ein.
Bilder, die ich so weit weggeschoben habe, dass sie sich anfühlen wie ein schlechter Traum.

Doch sie kommen zurück.
Immer wieder.


Und wenn sie da sind, bin ich nicht mehr hier.
Dann bin ich wieder dort.


In der Panik.
In der Starre.
In der Dunkelheit.


Weit weg von mir selbst.

Doch dann …
sind sie wieder da.

Diese Stimmen.

Liebevoll.

Habe ich gerade wirklich liebevoll gedacht?

Mit diesem Wort kommt etwas Neues.
Eine Wärme.

Und gleichzeitig Angst.

Ich möchte näherkommen –
und werde zurückgezogen von allem, was war.

Es ist, als stünde eine Mauer zwischen mir und der Welt.

Sie schützt mich.


Und sie sperrt mich ein.

Nichts kommt hinein.
Nichts geht hinaus.


Alles, was ich sende, ist:
Komm mir nicht zu nah.

Und alles, was mich erreichen will, prallt ab.

Bis …

ein Geruch auftaucht.

Ein Geruch, den ich nicht kenne –
und der doch so viel mit mir macht.

Er macht die Mauer dünner.

Mit ihm kommen Wärme.
Und etwas, das sich anfühlt wie Hoffnung.

Mein Blick wird klarer.

Da ist ein Mensch.

Ein Mensch wie jeder andere – und doch ganz anders.

Ich mache ein paar Schritte auf ihn zu.

Und erschrecke über mich selbst.

Das wollte ich nicht.
So etwas mache ich nicht mehr.

Aber dieser Geruch zieht mich an.


Angst und Hoffnung liegen dicht beieinander.

Und ich weiß:
Ich muss diesen Bann durchbrechen.

Plötzlich bin ich allem so nah.

Ich erkenne, wo ich gewesen bin.
Und wer ich bin.

Und ja –
ich darf mit diesem Menschen gehen.

Wer auch immer er ist.

Er ist mein Anker.
Meine Hoffnung.
Meine Freiheit.

Noch immer holt mich die Vergangenheit ein.

Der Geruch von Verbranntem.
Schreie.
Enge.
Angst.

Manchmal weiß ich nicht, was jetzt ist –
und was damals war.

Doch dieser Mensch ist da.

Und alles wird ruhiger.


Wir lernen uns Stück für Stück kennen.

Und während wir das tun,
lernen wir beide.

Langsam wird alles eins.

Und vielleicht haben wir uns gegenseitig gerettet.

Ich darf loslassen.

Die Erinnerungen sind ein Teil von mir.
Aber sie sind nicht mehr meine Gegenwart.

Es brauchte Abstand.
Zeit.
Und viele kleine Impulse.

Nicht zu schnell.
Nicht zu langsam.

Jeder Impuls half beim Aufräumen.
Beim Verarbeiten.


Stück für Stück werde ich wieder ich.

Eigensinnig.
Liebevoll.
Feinfühlig.

Klein –
aber präsent.


Ich bin ein geretteter Hund.

Wir alle haben eine Leidenschaft für etwas. Das hier ist meine! Ich habe schon früh damit angefangen und bin im Laufe der Jahre immer besser geworden. Und ich lerne jeden Tag etwas Neues dazu.